Wiedergänger

Eigentlich ein ganz gemütlicher Abend. Man sitzt zusammen, der Gerstensaft fließt fröhlich, der Köbes trägt in moderatem Tempo gut gezapftes. Natürlich redet man von Musik, über’s üben, ein lockeres Staccato, über die rechte Einstelung bei der Probe, es gibt ja immer was zu erzählen. Irgendwann muß ich zur Keramik, als ich wiederkommme spricht meine Freund mit einem Fremden, und aus dem Gespräch entnehme ich: Er hat ES getan, hat einfach aufgehört zu spielen, das Instrument an den Nagel gehängt und sein Leben komplett umgekrempelt.

Du spielst wirklich nicht mehr, frage ich ihn. Nein, aber Musik macht mir seitdem wieder Spaß.

Ich bin schockiert, und immer noch aufgewühlt. Die Gefühlsebenen sind drastisch. Vielleicht empfinden Sektenmitglieder so, wenn einer aussteigt.

Aber dann denke ich auch an Pablo Casals. Auf einer Bergwanderung fiel ihm ein Stein auf die Hand. Sein erster, freudiger Gedanke war: Nie mehr üben.

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