Deutschland einig Vaterland

Schaue ich mich um in Europa, mit meinen kurzsichtigen Augen, vergleiche ich und spüre dem Anblick nach, so macht ein Unterschied uns diesen Tag der Deutschen Einheit immer so zwiespältig: das Fehlen eines positiven nationalen Mythos. Kein Sturm auf die Bastille, keine Bill of rights, Magna Carta, keine Unabhängigkeitserklärung. Das, was wir besitzen taugt uns nichts, vieles was wir besaßen ist unwiderruflich entwertet. So gleicht dieses Fest immer einem Konzert im Vakuum- man sieht das Orchester, aber vernimmt keinen Klang.
Es ist uns in knapp 60 Jahren nicht gelungen diese leere und verwüstete innere Landschaft wieder aufzuforsten. Besondere Schuld trifft hierbei die Konservativen, teils weil sie uns die längste Zeit regierten, teils weil sie keinen wirklichen Neuanfang nach der Befreiung zustande brachten. Die stete Feigheit der deutschen Sozialdemokratie half dem aber auch nicht weiter. Ralfs Giordanos Begriff von der zweiten Schuld trifft es am Besten.
Wohlstand für alle war dann der Kitt unserer Demokratie und das Versäumnis wird so langsam spürbar. Es bleibt eine riesige Aufgabe, den Mythos zu begründen. Letztlich nichts, was unsere Politiker schaffen können, und schon garnicht bei Kerner und Christiansen. Unser Job. Gefällt mir.

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