Darwin auf der Platte

Es tobt der alte Streit: Evolutionisten versus Kreationisten. Er geht in die nächste Runde. Entwickelte sich das Auge Schritt für Schritt, oder hatte Gott einfach jede Menge guter Ideen? Da Darwins Theorie nicht arm an Lücken ist, derer er sich voll bewußt war, haben es die Anhänger des Schöpfungaktes leicht zu nörgeln und auf Unstimmigkeiten hinzuweisen. Wer Darwin Glauben schenkt und trotzdem soetwas wie einen Beweis haben möchte, dem sei Avida zum download empfohlen. Evolution auf der Festplatte. Optisch erinnert Avida zwar an ein Defragmentierungsprogramm, aber wenn man mal einen entspannten Nachmittag hat, kann man sich den Spaß mal gönnen.

Avida

6 Responses to Darwin auf der Platte

  1. Da sagste mal so locker was. Kreationismus ist etwas für Leute, die andere denken lassen. Siehe unser allerliebster amerikanischer Freund. Und sowas funktioniert leider auch, weil die meisten Menschen mit Hausmannskost zufrieden sind und dann auch noch glauben, sie hätten etwas verstanden. Sehr gefährlich. Wehret den Anfängen! Es sei an dieser Stelle ein Buch erwähnt von Claus Emmeche: Das lebende Spiel.
    Ein Gedanke daraus: Ein zellulärer Automat benötigt ein CPU-Zeitintervall, so wie organisches Leben Energie. Organisches Leben organisiert Materie, der ZA organisiert Speichervorgänge.
    Redcode als RNS in der Ursuppe – auch ein schöner Gedanke.
    Hier noch ein Beispiel für einen simplen Algorithmus, der aus einer Zufallsverteilung so etwas wie Kristallwachstum generiert.

  2. Tjaa, also das war folgendermaßen gemeint:
    1) Bush ist dumm. Und gefährlich. Religion macht das scheinbar (nicht anscheinend) Komplizierte (Naturwissenschaft)einfach (zu einfach). Man darf seine eigene Verantwortung an der Garderobe auf Wolke Nr.7 abgeben. Es werde Kreationismus. Das ist an und für sich für jeden einzelnen sein privates Schicksal; jedoch wird es dann unerträglich (um den Dicken zu zitieren), wenn ein amerikanischer Präsident die Macht erhalten darf, ein Verbot der seriösen Wissenschft zu Gunsten des unseriösen Kreationismus durchzusetzen. So wie es momentan geschieht, wenn in den USA zu Gunsten eines „Schöpfergottes“ der Darwinismus aus Schulbüchern gestrichen wird.
    2) Gleichwohl macht Kreationismus Spaß, wenn auch nicht in dem Sinne, wie die vermeintlichen Verfechter desselben je begreifen würden. Wir maßen uns einfach mal an, selbst kreationistisch tätig zu werden, um die Mechanismen des Darwinismus zu ergründen 😉
    Wenn das mal kein Kreationismus ist: digitales Leben erschaffen! Eigentlich habe ich die weiterführenden Links ja oben mit drauf, aber nur kurz zum Grundverständnis: ein zellulärer Automat (wie auch Avida) ist eine Simulation. Man stelle sich ein Blatt Rechenpapier vor und erschaffe ein Lebewesen. Dazu setzt man eben einfach einen Punkt. Schwupps, der Punkt ist nun unser Bürger. Dieser ist zweidimensional und hat die einfachste Nachbarschaft: einen oben, einen unten, einen links und einen rechts (damits auch wissenschaftlich klingt: von Neumann Umgebung). Und ab jetzt ist der schöpferischen Kreativität keine Grenze mehr gesetzt. Was dabei herauskommen kann (es lohnt sich, zu recherchieren): Game of Life (Teaser: Gleiterkanonen bilden ein logisches NICHT-Gatter; darauf wäre wirklich niemand vorher gekommen). Krümel. Künstliche Ökologie. Und künstliches Leben, es ist nur eine Frage der Definition. KI war mal, KL wyrd.
    3) Redcode als RNS in der Ursuppe – den Gedanken fand ich gut. Redcode kann man sich als Assemblersprache vorstellen, mit der man Speicherplatz organisieren kann. Krieg der Kerne oder Core Wars, darum geht es (oder der Kampf ums Überleben). Kleine, schlanke und elegante Programme zu schreiben (kleine Anspielung auf Darwin), die den knappen Platz einnehmen und andere Programme (Arten) verdrängen. Der Urkeim für künstliches Leben. So wie die RNS (Ribonukleinsäure) den Grundbauplan für Proteine (Eiweiße) enthält, die Grundlage für unser hiesieges organisches Leben sind.
    Und wenn man sich einmal damit etwas näher beschäftigt hat, bekommt man den leisen Hauch einer Ahnung, wie schön die Natur wirklich ist.
    Amen.

  3. Also ganz kurz und zu vereinfacht: Der Kreationismus bzw. seine Anhänger behaupten: „Weil es eine „Schöpfung“ gibt, muß es auch einen Schöpfer geben.“
    Nach dem Motto: Ich sehe eine Uhr, also muß sie ein Uhrmacher gebaut haben, denn einfach so und von selber kann sie nicht entstanden sein. Das ist das, was Siggi als Hermeneutik bezeichnen würde. Mit Wissenschaft hat dies allerdings nichts zu tun, eher mit Argumentation. Und ab da begibt man sich auf dünnes Eis, denn mit der geeigneten Person und scheinbar guten Argumenten kann man jeden manipulieren, was ich verachte. Ich schweife ab. Also kurzum: Kreationismus ist Unsinn, solange er nicht bewiesen werden kann.
    Spaß macht es jedoch, selbst mal den Schöpfer zu spielen. Dies funktioniert, indem man sich seine eigene Welt erschafft und die Regeln dazu selbst aufstellt. So wie bei Krümel oder beim Klassiker, dem Game of Life. Und genau dies ist auch Kreationismus, nur nicht so, wie amerikanische Kreationisten es gerne hätten, nämlich als bigotte Manifestation eines Aberglaubens, um sich schwache Gemüter hörig zu machen, sondern das klare Interesse an den wirklichen Zusammenhängen des Lebens. Da muß man halt einfach anfangen. Aber gerade aus dem Einfachen entsteht das Komplexe – da ahnt man die Weltformel. Stichwort Pflanzenwachstum und Lindenmayer-Systeme.
    Sehr schön ist jetzt auch die Begegnung mit dem in Rainalds Artikel angesprochenem Darwin, denn Pflanzenwachstum läßt sich mittels genetischer Algorithmen auf dem Rechner simulieren. Welchen Computer wohl Gott benutzte?

  4. Also ganz kurz und zu vereinfacht: Der Kreationismus bzw. seine Anhänger behaupten: „Weil es eine „Schöpfung“ gibt, muß es auch einen Schöpfer geben.“
    Nach dem Motto: Ich sehe eine Uhr, also muß sie ein Uhrmacher gebaut haben, denn einfach so und von selber kann sie nicht entstanden sein. Das ist das, was Siggi als Hermeneutik bezeichnen würde. Mit Wissenschaft hat dies allerdings nichts zu tun, eher mit Argumentation. Und ab da begibt man sich auf dünnes Eis, denn mit der geeigneten Person und scheinbar guten Argumenten kann man jeden manipulieren, was ich verachte. Ich schweife ab. Also kurzum: Kreationismus ist Unsinn, solange er nicht bewiesen werden kann.
    Spaß macht es jedoch, selbst mal den Schöpfer zu spielen. Dies funktioniert, indem man sich seine eigene Welt erschafft und die Regeln dazu selbst aufstellt. So wie bei Krümel oder beim Klassiker, dem Game of Life. Und genau dies ist auch Kreationismus, nur nicht so, wie amerikanische Kreationisten es gerne hätten, nämlich als bigotte Manifestation eines Aberglaubens, um sich schwache Gemüter hörig zu machen, sondern das klare Interesse an den wirklichen Zusammenhängen des Lebens. Da muß man halt einfach anfangen. Aber gerade aus dem Einfachen entsteht das Komplexe – da ahnt man die Weltformel. Stichwort Pflanzenwachstum und Lindenmayer-Systeme.
    Sehr schön ist jetzt auch die Begegnung mit dem in Rainalds Artikel angesprochenem Darwin, denn Pflanzenwachstum läßt sich mittels genetischer Algorithmen auf dem Rechner simulieren. Welchen Computer wohl Gott benutzte?

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