Aufmarsch

GlatzenSie waren da, ich war da, viele sahen es sich an, und ich bin wirklich schwer beeindruckt. Zuerst bewegte mich die Frage, was ich eigentlich ins Bild setzen will, die Klischees einer NS Demo liegen ja auf der Hand, aber meine Vorbereitung war zu kurz und mein Handwerk ist noch kläglich… Interessent ist vor allem der Inszenierungscharacter der Demonstration, die bereitwillig von allen Beteiligten getragen wird. Linke und Rechte Demonstranten vollführen eine perfekt einstudierte Choreographie, in die sie die Polizei geschickt einbeziehen. Blockaden erzwingen den Einsatz leichter GewaltmittelRitual und natürlich sind die alten Chöre von den deutschen Polizisten sofort zu hören , „Schämt Euch“ und so weiter. Fäuste schütteln und sogenanntes Gesicht zeigen, wobei ich auch echte Entrüsstung, gerade bei älteren Menschen sah. Aber vieles, wenn nicht alles war Inszenierung. Ein Bereitschaftspolizist mit dem ich plauderte, berichtete von einem Naziaufmarsch im Sauerland. Sie zogen durch leere Straßen. Wo sie gingen schlossen die Menschen einfach die Fensterläden. „Da sind sie nie wieder hingegangen“ sagte der Polizist und grinste. Seine Montur wiegt vier Kilo, erzählte ein anderer und das sie keine Sanis mehr im Zug haben- Sparmaßnahmen. Die Jungs machen ihren Job gut. Das Geplärre der Autonomen, als beim Abdrängen an der Tonhallenstr. ein Teeny auf dem Boden lag, war auch nur ein weiteres Ritual der Selbstbestätigung. Weiterhin bemerkenswert ist- und da häng ich voll mit drin- die mediale Bearbeitung des Umzugs (hier gefällt mir die folkloristische Note des Ausdrucks). Alles was eine Digicam halten konnte war dran, dicht dran. Auge de GesetzesUnd der Staatsfunk hat auch mächtig mitgeschnitten, ich schätze mal das auf 50 Bereistschaftspolizisten ein Videobeauftragter kommt, und da sind die kleinen Übertragunswagen nicht mit drin.

Letztlich wird der Kampf um Sympathisaten und Unterstützer nicht mehr auf der Straße geführt, dort werden nur die Verbrechen verübt. Da Gefahrengut liegt vielleicht auf dem Server nebenan, und die Argumentation ist mittlerweile verteufelt gut, ich habe letzte Nacht Texte gelesen, die auch von Attac hätte sein können, wenn man zwei, drei Worte streicht. Auch das Motto der Demonstration „Das System ist der Fehler“ war schlau gewählt. Die „Denker“ der Rechten sind ja schon lange nicht mehr Metzgermeister und Dachdeckergesellen, sondern gewiefte Rechtsberater und erfahrene Marketingmenschen. Auch das gibt mehr zu denken, als das Krakehle auf den Straßen.

One Response to Aufmarsch

  1. die Betrachtungspunkte der Bilder find ich ja schön ausgewählt aber der Text ist aus einem nicht ganz so verständlichen Blickwinkel: Die Geschichte von dem Polizisten der von einem Aufmarsch erzählt der durch leere Straßen geht wo die Leute die Fenster schließen…. für mich keinerlei Beweis das die Konfrontation
    als Bühne notwendig ist. Vielmehr ein Beweis des Eroberrungsprinzips: wo stille Tolleranz bereits erreicht ist braucht man ja nicht mehr. Die Reibungspunkte erfordern doch die Präsenz und da find ich es kein Gehabe zur Selbstverwichsung
    von linken Aktivisten wenn man sich da zeigt, pfeift, buht und fotographiert.
    Kein Fuss breit den Faschisten muss es doch heißen, denn die Präsenz im
    Internet, die mit Sicherheit dem Interessierten eher Punkte des Anschlusses
    bilden, ist weit nicht so im öffentlichen Bild verankert wie marschierende
    Glatzen.
    Das das Ganze einer schlechten Schmierenkomödie gleicht ist meiner Meinung nach eher der Verdienst des deutschen Otto, der die Fenster schließt statt sich zu den bunten Clowns der Linken zu Stellen und den Widerstand gegen öffentlich ausgetragene Rechte Politik zum Alltags-tagesordnungspunkt erhebt.

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