Category Archives: Topfgucker

Über das Kochen

Gute Gründe selber gut zu Kochen und zu Backen

Eigentlich fing es harmlos an. Ein paar Gerichte müssen so schmecken wie bei Muttern. Also schaute ich ihr in den Topf nachdem ich ausgezogen war. Die Motivation war also bewahrend, hm, konservativ. Ebenso des Vaters deftige Küche, Dämpfkartoffeln, Schnibbelskuchen, Schlabberkappes, da hab ich aufgepasst, wollte wissen wie es geht. Ein paar Jahre Nebenerwerbskoch in heimischer Gastronomie. So war das.

Heute stehen die Freunde Schlange, lade ich zu Tisch. Aber es ist nicht nur die Erfahrung und Übung die mich zu einem guten Koch machen, und es ist nicht nur die Freude meiner Gäste die mich anspornt. Nach wie vor fasziniert mich am Kochen analog zur Musik das Improvisieren und das Timing. So entstehen aus den Resten unkoordinierten Einkaufens Gerichte wie eine Mangold Limettensuppe. Beliebig verlängerbare Liste.
Kochen ist natürlich lustvoll, weil es eine auf den Genuß ausgerichtete Tätigkeit ist. Es fördert außerdem auch ganz altmodische Tugenden: Respekt und Ehrfurcht. Was in den Topf wandert, in der Pfanne oder im Wok landet, die Auflaufform füllt, das Huhn, der Barsch, Zwiebel, Lauch und Koriander, alles war lebendig. Da mir der protestantische Verzicht der Veganer und Konsorten ein Greul ist, erweise ich den Gemordeten meine Referenz durch beste Zubereitung. Vergebung erlangen nicht die Tütenhansels, sondern nur der demütige Mensch, der sich die Mühe macht eine Fond zu kochen und damit die Sauce ablöscht.Ein merkwürdiges Motiv? Nein.
Letztes Argument, Kochen ist Preiswert. Wenn ich mir anschaue, was in der Gebrauchsgastronmie auf den Tellern landet, und was dafür gelegt wird, legt sich leise Trauer auf meine Seele. 25-30€ verzecht ein Einzelner schnell, und für den Deckel eines Sechspersonentisches koche ich ein Menue mit allen Schikanen. Vielleicht kein Trüffel dabei, aber sonst nur wirklich gute Zutaten. Eine Kartoffelsuppe Parmentier bereitet man sich für 5,-€, hat zwei Tage etwas Leckeres auf dem Tisch und friert die dritte Portion ein. Klingelts?
Lernen wie ein frischer Fisch aussieht, eine mehlige Kartoffel schmeckt und wofür man sie benutzt, die Gemüsefrau mit der Frage nach Kerbel verlegen machen, all dasmacht das Leben schöner und vielleicht auch besser.

Mahlzeit!

Marokkanischer Gemüseeintopf

Dieses Rezept stammt von meiner Schwester und ist meine liebste Neuentdeckung, obwohl ich ja sonst ein lustvoller Fleischfresser bin, dunkel Geschmortes und deftiges bevorzuge. Also mal etwas vegetarisches.
Was braucht man? Einen großen und schweren Topf, am besten fingerdicker Guß, nix was im Ikea Starter Paket ist sondern ein Topf, der einem beinahe den Arm auskugelt, wenn man ihn anhebt. So müssen Töpfe sein.
Dann natürlich Gemüse:
Zwiebel
Staudensellerie
Möhren
Lauch
Fenchel
Tomaten (2-3 Pfund)
in zwei Finger dicken Schichten, man kann das aber mit jeder Gemüseart ergänzen.
2-3 Lorbeerblätter, am besten frisch.

In den Topf kommt nur Öl und das Gemüse. Gewürzt wird später. Nämlich nach zwei Stunden die unser Eintopf im Backofen verbringt, bei 100- 120 Grad. Nun wird abgeschmeckt. Mit gemörsertem Kreuzkümmel, Korianderperlen, Gelbwurz und Chili(1-3), auch besser frisch, natürlich Salz und einer antidiätischen Portion Butter. Seid nicht kleinlich. Fett ist Geschmacksträger.

Dazu gibt es Reis oder Couscous und einen mit Minze oder Dill gewürzten Joghurt. Ein echter Nachfasser.

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