
Der Adept der Naturphotografie soll die Erdkröte ehren und lieben. Wenige Modelle sind so gleichmütig ausdauernd und bewegungsarm. Von der Erdkröte schreite man langsam fort. Im gleichmäßigen Tempo und mit ein wenig Ausdauer ist der Kolibri oder die Libelle in kurzer Frist erreicht
So einen Satz höre ich gerne und nehme ihn zum Anlaß dieser kleinen Fotostudie. Man verzeihe mir, beinahe ausschließlich die Damen abgebildet zu haben, aber war das alte Weib vor dem Spiegel nicht lange Allegorie für die Eitelkeit?

Der abendliche Besuch der Viertelspizzeria brachte noch eine tiefe Einsicht in des Volkes Seele: auf emotionaler Ebene ist die Polonaise das Woodstock der einfachen Gemüter.
P.S. Bin mir garnicht mehr sicher, ob Woodstock und simple Emotionalität so gegensätzlich sind.
Mein Gott, möchte ich ausrufen und bin durchaus angenehm berührt. Ein Workshop mit stinknormalen Kindern, keine ADSler, nicht sozial verwahrlost, und in der Lage einen Takt zu klatschen. Wo, bitteschön, gibt’s denn sowas? In Dormagen Zons, und das legt die Vermutung nah, daß an der Altvorderen Art, Siedlungen mit Mauern zu umgeben vielleicht etwas dran war. Gated Community- ein ganz alter Hut.
Zu der Frage wie es denn in Karlsruhe war nur ein kleiner Satz. Es ist leider nicht so, das man mit dem ersten Meeting die Rente durchhat, auch wenn sich der Groove dieser Veranstaltung das irgendwie nahelegt. Als selbsternannter Kulturethnologe stellte ich mal zwei Behauptungen auf: Meetings müssen nicht unbedingt ein inhaltliches Ergebnis haben, es kommt darauf an, das eins formuliert wird. Zweitens, Leute aus Verbänden sind vor allen Dingen darauf aus Ergebnisse zu verhindern, die sie dann verantworten müssen. Und das könnte ja Konsequenzen haben.
“Wieviel Sprudel muß ein Mann trinken, um alles zu vergessen?” (WWI Fliegerass Snoopy, nach einem Abschuß durch den verfluchten Roten Baron)

“Machinegun” war die erste FMP Scheibe, die ich aus der Stadtbücherei in mein Jugendzimmer schleppte. Wahrscheinlich hatte mich der deutsche Klappentext zur Mitnahme ermutigt, und selig die unbefangenen Tage, als alles neu war. Viel hatte ich noch nicht gehört, ein bißchen Parker, A Love Supreme, Ellinton und Armstrong. Es fehlte nicht viel und ich hätte mich eingenäßt. Als ich Brötzmann dann 1988 auf einem Festival in Budapest hörte, zusammen mit der ganzen Garde der DDR-Improvisatöre, war ich musikalisch eine Generation weiter und hielt den Kraftmeier mit seinem aufgebohrten Tenor für ein Relikt und bereit für den aesthetischen Kompost. Es gibt ihn immer noch und mittlerweile ringt mir die Beharrlichkeit der Entwicklungsverweigerung einigen Respekt ab. Sogar die Tranzendierung des Nichtkönnens lehnt er ab. Chapeau. Das ist Haltung.