But beautiful- Jazz lesen

Über Jazz schreiben ist ein schwieriges Unterfangen. Wissenschaftlich gibt es einiges, das erhellend ist, Ekkehard Jost „Sozialgeschichte des Jazz“, aber eben: wissenschaftlich und sehr aus den 80er Jahren. Natürlich die Geschichten von Onkel Behrendt, und die Anekdoten von Michael Naura. Pionierarbeit in allen Ehren. Die Literatur tut sich schon schwerer. Boris Vians „Der Schaum der Tage“ enthält viel Swing ist aber kein Buch über Jazz, jedoch in einer Art geschrieben, die dem Improvisieren nahe steht.
Mein bisheriger Favorit ist der biographische Roman „Buddy Boldens Blues“ von Michael Ondaatje. In Spilttern und Assoziationen, Kapitel wie zerhackte Phrasen, abgebrochene Linien, denen man nachhorchen muß, um zu verstehen, wohin sie führen.
In seiner Sammlung von Biographien geht Geoff Dyker ähnlich vor. Kurze Abschnitte, wie das Betrachten alter Photos. Es geht um Stimmung und den Ton. Die Art zu Spielen findet sich in den Texten. Monk splittrig, Webster breit und voll, Young zerbrechlich. In jede Episode schlägt mit brutaler Kraft der unglaubliche alltägliche Rassismus, dem diese Großen ausgeliefert waren. Körperliche und verbale Gewalt, die sie erfahren, weil sie Nigger sind. Wie Amerika mit denen umging, die das Beste in diesem Land hervorbrachten.
Ich schaudere immer, wenn ich mir dieses Zeitkluster vorstelle, wie zwischen 1920 und 1970 eine Kunst entsteht, einer nach dem anderen auf die Bühne tritt,  seinen Teil gibt. Egal ob Jazz, die italienische Renaissance, die deutsche Klassik. Irgendwann ist es vorbei und es bleiben die Kunst, die Prinzipien und die Geschichten.

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