Monthly Archives: Juni 2007

Geübt

I’m into scales right now.

  • John Coltrane

Üben

Vor nicht allzulanger Zeit, blitzte es mir während des Übens durch den Schädel und seitdem liebe ich dieses Bild. Klarinette üben ist ein Prozeß von fractaler Schönheit. Am Grund jeder Einheit wartet ein Gleiches, Anderes, Verwandtes.

Going Home

Ein wunderschönes Beispiel, wie Musik wandert, sich wandelt durch Zeit und Raum, Kulturen: Das Largothema aus Dvoraks 9ter.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Die kleine Melodie sammelte Dvorak in Amerika auf. Auch wenn nicht indianischen Ursprung, so doch zumindest von indianisch beeinflußter, pentatonischer Struktur. Immer mit dem Notenzettel in der Hand eilte der Böhme durch die Staaten und transscribierte was das Zeug hielt. Soweit nicht besonderes, Dvoraks war mit seiner Sammelwut auch nur trendy.

Nun gehen keine 40 Jahre ins Land und das Thema taucht wieder auf: Unter dem Titel “Going Home” bei dem Swingposaunisten Jack Teagarden (Dem immer gerne indianische Wurzeln nachgesagt werden) .

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Re-Importware, aber gutes Zeug.

Noch fünfzig Jahre später sitze ich ein paar Nächte da und höre abwechselnd das Teagardenarragment und das Todesröcheln meines Vaters. Bearbeite es für Klarinette, Alt-, Tenor und Barisax, zwei Trompete, Horn, Posaune, Bass und Drums. Auf der Beerdigung war die Band größer als die Trauergemeinde. Irgendwie habe ich auch diesen Gig gespielt.
Seitdem habe ich selten Lampenfieber.

Gut hören kann ich es nicht, obwohl ich es sehr mag.

But beautiful- Jazz lesen

Über Jazz schreiben ist ein schwieriges Unterfangen. Wissenschaftlich gibt es einiges, das erhellend ist, Ekkehard Jost “Sozialgeschichte des Jazz”, aber eben: wissenschaftlich und sehr aus den 80er Jahren. Natürlich die Geschichten von Onkel Behrendt, und die Anekdoten von Michael Naura. Pionierarbeit in allen Ehren. Die Literatur tut sich schon schwerer. Boris Vians “Der Schaum der Tage” enthält viel Swing ist aber kein Buch über Jazz, jedoch in einer Art geschrieben, die dem Improvisieren nahe steht.
Mein bisheriger Favorit ist der biographische Roman “Buddy Boldens Blues” von Michael Ondaatje. In Spilttern und Assoziationen, Kapitel wie zerhackte Phrasen, abgebrochene Linien, denen man nachhorchen muß, um zu verstehen, wohin sie führen.
In seiner Sammlung von Biographien geht Geoff Dyker ähnlich vor. Kurze Abschnitte, wie das Betrachten alter Photos. Es geht um Stimmung und den Ton. Die Art zu Spielen findet sich in den Texten. Monk splittrig, Webster breit und voll, Young zerbrechlich. In jede Episode schlägt mit brutaler Kraft der unglaubliche alltägliche Rassismus, dem diese Großen ausgeliefert waren. Körperliche und verbale Gewalt, die sie erfahren, weil sie Nigger sind. Wie Amerika mit denen umging, die das Beste in diesem Land hervorbrachten.
Ich schaudere immer, wenn ich mir dieses Zeitkluster vorstelle, wie zwischen 1920 und 1970 eine Kunst entsteht, einer nach dem anderen auf die Bühne tritt,  seinen Teil gibt. Egal ob Jazz, die italienische Renaissance, die deutsche Klassik. Irgendwann ist es vorbei und es bleiben die Kunst, die Prinzipien und die Geschichten.

This blog is protected by Dave\\\'s Spam Karma 2: 39478 Spams eaten and counting...