Monthly Archives: Dezember 2005

Die bösen Fingerübungen

Ein Titel hat mich während des Studiums schwer beeindruckt: Exercises Mechanique, von Jean-Marie Londeix. Dort steht eigentlich jede Griffkombination, die man im Laufe eines Saxophonistenlebens mal spielen kann. Aber wie übt man das? Das Problem ist ja immer die Lockerheit, der Wechsel von Spannung und Entspannung. Eine Zeit nach dem Studium nahm ich ein paar Stunden bei dem Düsseldorfer Symphoniker Jochen Mauderer, um genau diesen kleinen, krampfigen Problemen auf die Spur zu kommen. Seine Übungen waren simpel, aber effektiv. Ein Kombination aus Exercises Mechanique mir rhythmischer Pyramide. Ich habe mir erlaubt mal die ersten gemeinen Griffe für Saxophon und Klarinette in dieser Weise zu notieren.

Fingeruebung

Und nun einige Tips.
1. Tempo Halbe=40
2. Jeder Takt Legato
3. Jeweils auf 1 und 3 einen kleinen Akzent geben, so eine Art “anschubsen”. Die anderen Töne sollen locker nachfedern.
4. Vor der Wiederholung Entspannen

Viel Spaß.

Weihnachtsduft

In Gegensatz zu Herrn Schwarzenegger habe ich heute nur Plätzchen gebacken und erhalte dafür Lob und nicht üble Kritik, oder gar Pfiffe, wie die Mitglieder der WTO, die gerade in Hongkong die letzten freien Bauern verschachern, damit Metro, Aldi, WalMarkt und Nestle mich weiterhin mit preiswerten Mandeln beliefern können. Von denen brauche ich in der Adventszeit eine Menge. Und weil es so kuschelig ist, der Herd leise zischt, und ich mir Gedanken um den Gabentisch mache, ist es mir doch egal wie die Auseinandersetzung über das Gesetz zur Vorratsspeicherung der Telekommunikationdaten ausgeht. Meine Rezepte sind eh mündlich tradiert, sozusagen vom Druidenmund zum Druidenohr. Die spärliche schriftliche Hinterlassenschaft meiner Großmutter kann selbst ich kaum entziffern.

www.schueckens.net

Nach gut einen Jahr bin ich diese saublöde Umlautdomain leid, der Umzug steht bevor, Kisten sind gepackt und der LKW bestellt.
Nicht nur die irritierende url war auschlaggebend sondern der aufgekündigte Support durch mozilla und firefox. Da muß ich halt langsam mal reagieren. Aus Schückens.de wird .

    Schueckens.net

Dort geht es weiter und wie bisher. Treue Leser und referrer werden gebeten ihre Links und Backlinks zu ändern, aber die fünf kann ich ja noch mal persönlich anmailen :-P

Der Maulkorb

Heute war ein Tag, an dem wir alle verloren haben. Nach dem Urteil des LG der Freien und Hansestadt Hamburg gegen den Heise Verlag sind Foren-, Blog-, oder Chatbeitrag eigentlich vor Veröffentlichung zu überprüfen und zu ggf. zu zensieren. Auch für den Fall der Nichtkenntnis, wenn jemand unsere Blogs unbemerkt mit justiziablen Inhalten zuspamt, sind wir haftbar.
Hier wurde Recht gesprochen zu Gunsten eines echten Spammers, und die Allgemeinheit muß dann die Konsequenzen tragen.

Was die Universal Boards GmbH & Co. KG (Kläger) mit ihrem Geschäftsführer Mario Dolzer so treibt kann man bei gulli nachlesen, das Geschäftsgebaren und Marketing stellt er selbst ganz anschaulich bei schuchmaschinentricks zur Schau.

Dann noch eine gute Nacht, liebe Büttel.

Nachlese

Wenn ich als Musiker wenig zu tun habe, ist der Besuch eines Konzerts immer eine schwierige Sache. Kollegen hören, die “es” tun, wirft mich gern auf eine kleinliche Neidebene hinab. Ich mag mich dann nicht wirklich. Es kann natürlich auch ganz anders kommen. Wenn man jemanden hört, der auch nach Jahren immer noch so swingt, als ob er eine Pickelhaube im Arsch hat, erheitert mich das doch. Diffizile Emotionen triggert so ein Konzertbesuch.

Am meisten erregte mich aber eine atmosphärische Kleinigkeit, die mir zum erstenmal vor vielen Jahren in Berlin sauer aufstieß. Auf einem Konzert junger Improvisateure regte mich etwas entsetzlich auf. Es dauerte eine Weile, bis ich das Irritierende isoliert hatte. Bevor man spielt gibt es einen Moment der Sammlung, eine kurze Konzentrationsphase, ein nach innen Lauschen. Wird das zum gestischen Bestandteil, quasi zur Liturgie, da schaudere ich. Gestern gab es das auch und ich frage mich. wie das geschehen kann. Ich will mehr Rock’nRoll und weniger verinnerlichten Quark.

Ansonsten sind Minaturfestivals ein kommunikativer Ort, man plauscht, tauscht sich aus, wobei ein cooles “ich hab soooo viel zu tun” leicht über die Lippen kommen muß. Ich hatte großen Spaß, die Fragwürdigkeit meiner Existenz zu betonen und die Reaktionen zu beobachten. Mancher Kollege dreht sich um und geht auf ein neues Bier zum Tresen, wenn ich laut sage, ich wüßte nicht wohin, künstlerisch und materiell. Eine besondere Freude war deshalb das Gespräch mit Katrin Mikiewicz. Die Gleichzeitigkeit von Talent und Erfolg, Nachdenklichkeit und Freundlichkeit ist selten, schön und anregend, daß ich wieder denke, ja, es ist gut ein Musiker zu sein, eigentlich das Beste, was man sein kann.